19 October 2026
Robin Jozwiak

Es fehlte nichts. Sorana-Stefana Lehene verließ die medizinische Forschung trotzdem.

Sorana-Stefana Lehene hatte einen Bachelor und zwei Master in Medizinwissenschaften, dazu einen Forschungsjob in der molekularen Toxikologie in Uppsala. Sie hatte immer Bestnoten. Wenn sie ging, würde sie die Menschen enttäuschen, die ihr am nächsten standen.

Sorana-Stefana Lehene speaks into a microphone in front of a colorful painted wall at the Berlin Immersion.

Auf dem Papier stimmte alles

Sorana-Stefana Lehene arbeitete in Uppsala in einem Forschungsteam für molekulare Toxikologie, von acht Uhr morgens bis sieben Uhr abends und oft auch am Wochenende. „Zu Hause war ich meistens nur zum Schlafen“, sagt sie.

Sie war gut in dem, was sie tat. „Es fehlte nichts. Alles war gut. Medizinische Forschung ist eben nicht für alle."

"Nur weil man gut darin ist, heißt das nicht, dass man es machen sollte.“

Schon ein Jahr früher wollte sie aufhören, traute sich aber nicht. Fast alle in ihrem Umfeld arbeiteten in der Medizin. „Ich habe versucht, da zu bleiben, um alle glücklich zu machen, aber ich war sehr unglücklich.“

Innerhalb des Fachs hatte sie es schon versucht: Eigentlich wollte sie in die Forensik, dafür hatte sie studiert. Dann suchte sie in ihrem Heimatland, in Deutschland und in Spanien nach einem Job. Acht Monate, nichts. Ein zweiter Master, diesmal mit Forschungsschwerpunkt, half auch nicht.

Wie sie zu unserem BSc in Artificial Intelligence & Sustainable Technologies kam

Robotik und Science-Fiction begeisterten sie schon als Kind. Als KI aufkam, zögerte sie erst, sie zu nutzen, wurde dann aber schnell neugierig. 2023 suchte sie ein Fernstudium in diesem Bereich, weil sie nicht aus Schweden wegziehen wollte und es vor Ort nur klassische Informatik-Studiengänge gab.

Sie fand uns über Trustpilot, wo wir, wie sie sagt, ungewöhnlich gut bewertet waren. Die Website war neu und sehr schön gemacht. „Alles war ein bisschen zu schön. Deshalb dachte ich, das ist fake. Aber ich war verzweifelt genug, dass ich mehr wissen wollte.“

Ihr erstes Gespräch hatte sie mit Christian Rebernik, einem unserer Co-Founder, und es dauerte über eine Stunde. Er sprach das Problem direkt an: Sie hatte weder in der Schule noch an der Uni Mathe oder Physik gehabt und würde bei null anfangen. Warum wollte sie das? Sie erzählte ihm von ihrem Werdegang und dann: „Da kann ich nicht bleiben. Da will ich nicht bleiben. Ich will etwas machen, das mich glücklich macht. Ich will etwas machen, für das ich brenne, und nicht nur etwas, das ich fürs Geld mache.“

Für ihre staatliche Studienförderung musste sie dann den schwedischen Behörden beweisen, dass wir eine echte Hochschule sind, und das dauerte noch einmal drei Monate.

Sie bewarb sich im März 2023, kündigte im Juni und fing noch im selben Jahr an, in einem Jahrgang von elf Leuten. Für einen Master hatte sie nicht genug Informatik-Credits. Also machte sie die Orientation-Phase des Bachelors, in der Lernende ihre Richtung finden, und stieg danach in Master-Kurse ein.

Drei Wochen, echte Daten, echter Impact auf eine Firma

Ihre liebste Challenge lief 2025, in der späteren Elevation-Phase. Ihr Team berechnete die Treibhausgasemissionen eines mittelständischen Unternehmens und suchte Wege, sie zu senken. „Wir haben mit ihren echten Daten aus den letzten vier, fünf Jahren gearbeitet, mit echten Anwendungsfällen, echten Protokollen, mit allem.“ Das Team ging Bereich für Bereich durch: Materialien, Fahrzeuge, Stromverbrauch in den Büros. Das Unternehmen nahm den Plan an und begann mit der Umsetzung.

Alle anderen in der Gruppe waren über dreißig, deutlich älter als sie, und es passte. „Wir waren so auf einer Wellenlänge und alles hat so gut funktioniert und alle haben so hart gearbeitet und wir haben in drei Wochen so viel geschafft.“

So sah Challenge-Based Learning in der Praxis aus: statt einer Fallstudie eine echte Firma mit ihren eigenen Daten.

Über ihre anderen beiden Elevation-Challenges redet sie offen. Mal tat jemand im Team kaum etwas, mal konnte sich die Gruppe nicht einigen und reichte mehrere Varianten ein statt einer.

Die schwierigste Zeit

Neben dem Studium hatte sie ein eigenes Startup, und gegen Ende forderte es immer mehr. Mit den Aufgaben und Challenges kam sie kaum noch hinterher. Dazu nahm sie fürs Geld Jobs an, die sie nicht wollte, und während sie ihre Thesis schrieb, gab es Schwierigkeiten in ihrer Beziehung.

Alle rieten ihr, eine Pause einzulegen und das Studium ruhen zu lassen. Sie tat es nicht. Bis Oktober hätte sie Zeit gehabt, doch schon im Februar 2026 gab sie ihre Thesis ab, und am 3. März war alles erledigt. „Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch“, sagt sie. „Wenn ich sage, ich mache etwas fertig, und ich habe eine Deadline, dann halte ich die Deadline ein.“

Ein Mentor, fünf Freundschaften

Christian, der sie im ersten Gespräch gefragt hatte, warum sie das wollte, ist heute ihr Mentor und gibt ihr weiter Feedback zu ihren Ideen.

Mit fünf Leuten aus dieser Zeit ist sie bis heute eng befreundet. Eine dieser Personen lebt auch in Malmö, die beiden sehen sich oft.

Viermal im Jahr trifft sich die ganze Hochschule bei den Immersions vor Ort, jedes Mal zu einem Thema. Sie sagt, sie sei wegen genau dieser Leute hingefahren. In ihrer ganzen Studienzeit verpasste sie nur eine einzige Immersion.

Unternehmerin wollte sie nie werden

Das hatte sie immer gesagt. „Und dann mache ich am Ende genau das.“

Sie sagt, es fing in der Orientation-Phase an, mit einer Challenge zu technologischen Revolutionen. Ihr Team sollte sich etwas Revolutionäres ausdenken, das es bauen würde. Für sie war das „schon unternehmerisches Denken“. Es gefiel ihr.

Eine Zeit lang arbeitete sie als AI Architect, bis sie merkte, dass Programmieren ihr nicht kreativ genug war. Sie wechselte ins Marketing für KI-Produkte. Ohne zu verstehen, wie diese Produkte funktionieren, könnte sie das nicht, sagt sie.

Heute berät sie zwei Firmen im Marketing. Außerdem organisiert und moderiert sie Startup-Events, und man bucht sie für KI-Workshops. Alles, was sie tut, hat mit Startups zu tun, sagt sie.

„Ich hasse das Arbeiten nicht“, sagt sie. „Ganz ehrlich, sehr oft fühlt es sich gar nicht wie Arbeit an, weil ich so gern mache, was ich tue.“

Was würde sie Menschen sagen, die heute an ihrer Stelle sind?

„Es ist okay, Angst zu haben, aber geh diesen Schritt einfach. Zieh die Veränderung einfach durch.“ Und wenn das Gefühl nicht weggeht: „Wenn du immer im Hinterkopf hast, dass das nicht das Leben ist, das du leben willst, dann heißt das, dass du etwas ändern musst, damit du glücklich bist.“

„Arbeit kann Spaß machen.“

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