Antonia Zoe Reiter: „Es liegt in meiner eigenen Hand“
Antonia Zoe Reiter hat einen Teil ihres Studiums von Indonesien, Japan und Thailand aus absolviert, mit Challenge-Calls um ein Uhr nachts. Im Interview erzählt sie, wie sie trotzdem Freundschaften fand, die bis heute halten, und was sie Menschen rät, die heute vor derselben Entscheidung stehen.
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Antonia Zoe Reiter arbeitete Vollzeit im Retail Management eines Omnichannel-Händlers in Wien. Ende 2023 begann sie unseren MSc in Sustainability, Entrepreneurship & Technology, damals in Kooperation mit der WU Executive Academy. Im September 2025 schloss sie ab, Anfang 2026 gründete sie NOWNI. Heute ist sie Entrepreneurship Ambassador und Mentorin für andere Lernende.
Du mochtest deinen Job. Warum trotzdem ein Master?
Ich habe sehr gern dort gearbeitet, vor allem wegen meiner Kolleg:innen. In meinem alten Job durfte ich einige Projekte im Bereich Sustainability mitbegleiten, und irgendwann hat sich herauskristallisiert, dass ich mich da weiterbilden will. Es war nicht, weil mir der Job nicht gefallen hat, sondern weil ich inhaltlich einfach was Neues wollte. Ich wusste auch selber lang, glaube ich, gar nicht, welchen Studiengang ich wirklich will. Das ist, glaube ich, oft so, dass man sich stresst, weil man das Gefühl hat: Warum triffst du keine Entscheidung? Aber das liegt dann oft auch einfach daran, dass man noch gar nicht weiß, was man möchte.
Wie bist du bei uns gelandet?
Simple Internet Research. Nachhaltigkeit und Flexibilität waren für mich das Wichtigste. Ich habe einfach gegoogelt und bin bei unterschiedlichen Suchanfragen immer wieder auf die Tomorrow University gekommen. Ich fand diese Kombination aus Sustainability, Entrepreneurship und Technology mega, und Remote First fand ich cool. Außerdem fiel mir das Challenge-Based-Learning-Modell [Lernen an konkreten Aufgaben aus der Praxis] positiv auf. Ich kannte aus dem Bachelor noch die Prüfungsphasen, wo man sich danach fragt: Was habe ich jetzt eigentlich genau gelernt?
Einen Teil deines Studiums hast du von Asien aus gemacht. Wie lief das?
Ich hatte halt viele Challenge-Calls wirklich um zwölf Uhr in der Nacht oder um ein Uhr und habe auch Präsentationen gehalten, wie es schon stockfinster war. Ich war aber sehr froh, dass ich das Studium Vollzeit machen konnte, so waren die Calls spät abends kein Problem und ich konnte mir meine Zeit frei einteilen.
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Wie findet man Anschluss, wenn niemand im selben Raum sitzt?
Darauf war ich natürlich gespannt, weil vor allem im Bachelor sehr viele tolle Freundschaften entstanden sind, sehr wichtige. Ich habe mir Gedanken gemacht, war aber gleichzeitig offen und habe mir gedacht: Es kommt eh, wie es kommt, und es liegt in meiner eigenen Hand. Also habe ich versucht, sehr aktiv selbst gleich One-on-One-Calls mit anderen Studierenden zu machen, zusätzlich zu den Challenge-Calls. Das hat eigentlich auch ganz gut geklappt. Das ist auch ein Tipp, den ich noch heute anderen Learners gebe: Nehmt es selbst in die Hand, schreibt Personen aus eurem oder anderen Cohorts an und vernetzt euch. Das war super wichtig für mein gesamtes Studium. In meinem Cohort, ich kann es ja nicht vergleichen, hatten wir einen sehr guten Zusammenhalt. Einmal waren wir, glaube ich, sogar elf oder zwölf Leute aus dem Cohort bei einem Meetup.
Was hat dich durch die schwierigen Phasen getragen?
Die Masterarbeit war natürlich sehr challenging. Aber ich hatte halt immer im Kopf, dass ich es für niemanden mache außer für mich selber, und das heißt, ich hatte niemanden zu blamen, wenn es mich genervt hat oder wenn es mal schwer war. Ich habe mir das selbst finanziert, ich habe es selbst ausgesucht. Das war immer ein einfacher Reminder: Ja, es war ja deine eigene Entscheidung. Es ist ein Privileg, das machen zu dürfen, und wenn man sich das selber aussucht, dann ist es wirklich die wichtigste Motivation.
Hattest du vor, zu gründen?
Nein, mit dem Gedanken bin ich eigentlich nicht in das Studium gegangen. Das hat sich wirklich erst währenddessen ergeben, aus der Kombination an Menschen, dem Setup, Zeit zum Reflektieren und dem Verständnis, was mich ohne Druck motiviert. Das hängt nicht nur an der Uni, das hängt an sehr vielen anderen Sachen auch, aber es war auf jeden Fall ein gutes Environment, um das auszutesten. Wenn ich dann Motivation verliere, kann ich mich immer daran erinnern: Ich gestalte selbst mein Leben. Das ist sicher eine Veränderung, die ich davor, glaube ich, nicht hatte oder nur sehr, sehr selten. Gerade wenn man selber was gründet, ist es, glaube ich, super wichtig, dass man sich mit einem Thema beschäftigt, das einem richtig viel Energie gibt, auch wenn nicht sofort die Riesen-Umsatzzahlen reinkommen. Ich beschäftige mich damit, wie Empathie aktiv in Schulen und in Unternehmen trainiert werden kann. Es gibt noch nicht so viele greifbare Tools und Methoden, um das wirklich aktiv im Arbeitsalltag zu integrieren und zu trainieren.
Wer ist von damals geblieben?
Mit Jan, meinem Study Buddy aus dem Cohort, habe ich immer noch monatlich Calls. Manchmal geht auch ein Monat vorbei, aber eigentlich ziemlich regelmäßig. Wir sind befreundet und tauschen uns aus. Evelyn aus meinem Cohort hat auch gegründet und ist auch in Wien, und mit ihr und anderen aus dem Cohort, die in Wien sind, treffen wir uns einmal im Monat, seit wir fertig sind. Wir unterstützen einander, Feedback, aber es ist auch einfach Freundschaft daraus entstanden. Bei der Graduation in Wien war es cool, sehr viele aus meinem Cohort zu sehen. Wir haben gesagt, dass wir uns voll gerne in Wien treffen wollen, deswegen haben einige in Wien graduated statt in Berlin.
Was rätst du jemandem, der heute vor so einer Entscheidung steht?
Wenn man merkt, dass die Situation, in der man sich befindet, oder der Job sich sehr weit von den eigenen Werten entfernt, dann würde ich das nicht zu lange wegdrücken, sondern einfach überlegen: Will ich Veränderung, weil etwas wirklich nicht zu meinen Werten passt, oder will ich Veränderung, weil ich das Gefühl habe, von außen entsteht irgendein Druck? Weil ich einen Titel möchte, oder weil ich das Gefühl habe, ich bin hinten dran, ich bin zu langsam. Das sind natürlich auch Gründe. Aber ich glaube, die Motivation bleibt höher, wenn man es wirklich macht, weil man merkt: Die Situation, in der ich bin, erfüllt mich vielleicht in gewissen Teilen, aber in gewissen nicht. Und diese Teile, die nicht erfüllt sind, sich genauer anzuschauen und dann Entscheidungen zu treffen, die helfen, sie auszufüllen. Das ist nicht so ein easy Tipp. Aber das würde ich sagen.
Das Gespräch ist gekürzt und redigiert.
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